FotoPro FOTOTIPP: Portraitobjektive

Das richtige Objektiv für Portraits

Für ein gutes Portraitbild sind viele Faktoren entscheidend: Licht, Perspektive, Location und natürlich das Objektiv.

Portraitfans und Profifotografen benutzen für Ihre Aufnahmen oft spezielle Objektive, die in der Gestaltung der Aufnahme viel Freiraum bieten und eine natürlichen Wiedergabe gewährleisten.
Ein leichtes Teleobjektiv mit hoher Lichtstärke ermöglicht Aufnahmen mit natürlicher Perspektive und das Freistellen vor unscharfem Hintergrund.

Beliebte Objektive für Portraiteinsteiger

Wer seine Portraitaufnahmen verbessern möchte und mit den bestehenden Objektiven an seine Grenzen stösst, muss nicht von Anfang an die teuersten Objektive ins Auge fassen. Deren Abbildungsleistung ist zwar herausragend, doch selbst für kleinere Budgets sind für alle Kamerasysteme interessante Objektive auf dem Markt.
Wir haben Ihnen hier eine kleine Auswahl der beliebtesten Modelle zusammengestellt.

APS-C Kameras


Vollformatkameras


MFT Systemkameras (Olympus und Panasonic)

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Beliebte Objektive für Enthusiasten und Profis

Wenn es um maximale Lichtstärke und höchste Abbildungsleistung geht, sind die Premiumobjektive die richtige Wahl. Beste Bildqualität bis in die Ecken und ein Auflösungsvermögen, das jedes noch so feine Härchen messerscharf abbildet sind die Stärken dieser Objektive.

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Brennweite ohne Verzerrung

Für eine natürliche Abbildung eines Gesichtes ist die ideale Brennweite entscheidend. Von der Nasenspitze bis zum Ohransatz sind einige Zentimeter, die jedes Gesicht individuell machen.

Bei Verwendung eines Weitwinkelobjektives (links), wie dies bei alle Smartphones eingebaut ist, wird entweder sehr viel Hintergrund aufgenommen oder bei Nahaufnahmen wird der Kopf unnatürlich verzerrt. Das Gesicht ist schmaler, die Nase viel grösser.
Teleobjektiven über 200mm haben die Eigenschaft, dass Sie die Tiefenwirkung reduzieren und weiter entfernte Objekte näher erscheinen lassen. Bei formatfüllenden Portraitaufnahmen wirkt das Gesicht deshalb flacher und runder.

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Für eine natürliche Wiedergabe des Gesichtes haben sich Brennweiten von 70 bis 150mm als ideal erwiesen. Je nach verwendetem Kamerasystem und dessen Sensorgrösse ergeben sich folgende effektive Brennweiten.

  • Vollformat (24x36mm): Brennweite 70-150mm
  • APS-C Sensor (ca 15x22mm) Brennweite 50 - 100mm
  • MicroFourThirds Sensor (13x17mm) Brennweite 25 - 75mm

Aufnahmedistanz

Bei Portraitaufnahmen - egal ob mit Familie und Freunden oder fremden Personen - betreten Sie immer die Privatsphäre Ihres Models. Ist die Aufnahmedistanz zu gross oder die Brennweite zu kurz, erreichen Sie nicht den gewünschten Bildausschnitt.

Je nach Person ist die Komfortzone unterschiedlich. Nahaufnahmen wirken aber in der Regel zu aufdringlich und unangenehm. Aufnahmen aus weiterer Distanz sind eher unpersönlich.

Eine ideale Aufnahmedistanz ist zwischen 1,5 bis 3m. So kann man ruhig miteinander sprechen und das Model fühlt sich nicht bedrängt. Mit den oben genannten Brennweiten lassen sich auf diese Entfernung schöne Bildausschnitte erzielen. Für Ganzaufnahmen muss die Aufnahmedistanz dann aber doch vergrössert werden.

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Lichtstärke

Mit der Blende im Objektiv kontrollieren Sie zum einen die Lichtmenge für eine korrekte Belichtung. Anderseits lässt sich damit die Schärfentiefe, der Bereich der scharf abgebildet wird, kontrollieren.

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Ein einfaches Standard-Zoomobjektiv hat meist eine Lichtstärke von 1:3.5-5.6 und bietet keine grossen Blendenöffnungen. Der selbe Hintergrund wirkt unruhiger und lenkt ab.

Bei Portraitaufnahmen setzen Sie Akzente durch den gezielten Einsatz des Schärfepunktes und eine geringe Schärfentiefe. Somit hebt sich das Motiv deutlich von Hintergrund ab.

Je weiter die Blende geöffnet werden kann, desto geringer ist die Schärfentiefe und desto gezielter kann beispielsweise nur auf die Augen scharfgestellt werden. Bei grösseren Aufnahmedistanzen bleibt der Hintergrund noch unscharf und lenkt nicht von Ihrem Hauptmotiv ab.

Die beliebtesten Portraitobjektive haben eine hohe Lichtstärke und ermöglichen Blendenöffnungen von 1:2 bis 1:1,2.
Die grosse Blendenöffnung erlaubt zudem, auch bei wenig Licht die Stimmung einzufangen, ohne eine künstliche Lichtquelle wie ein Blitzlicht einsetzen zu müssen.

Mit der aussergewöhnlich hohen Lichtstärke von 1:0.95 ist das Leica NOCTILUX 50mm Aspherical ebenfalls sehr beliebt bei Leica M Fotografen und kann mit Adaptern auch an Systemkameras verwendet werden.

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Bokeh - die Unschärfe

Durch die individuelle Konstruktion der Blenden bildet jedes Objektiv unscharfe Bereiche mit einem eigenen Charakter ab. Bildpunkte ausserhalb der Schärfezone, werden unscharf - im Idealfall als Kreis - abgebildet.

Je nach Bauform und Rundung der Blendelamellen im Objektiv ergibt sich eine abweichende Abbildung der Unschärfezone. In Fachkreisen wird dies Bokeh genannt.

Eine ganz besondere Herausforderung stellen unscharfe Lichtquellen im Hintergrund dar. Abhängig von der Blendenkonstruktion werden diese rund oder eckig abgebildet. Premium-Objektive sind mit bestmöglich abgerundeten Blenden versehen, um ein harmonisches Bokeh im Hintergrund zu erzeugen.

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Tipps für erfolgreichere Portraitbilder

Abgesehen vom motivierten Modell und Fotografen/Fotografin gibt es einiges zu beachten und Fehler zu vermeiden, um bessere Portraitbilder zu erhalten.

Einige der folgenden Tipps sind unabhängig von der verwendeten Ausrüstung gültig, andere sind je nach verwendeter Kamera und Objektiv wichtig zu beachten.

Scharfstellen auf den Punkt

Bei Objektiven mit grosser Blendenöffnung ist das Scharfstellen eine Herausforderung, die man nicht unbeachtet lassen darf. Mit nur wenigen Millimetern Schärfentiefe reicht eine kleine Bewegung des Fotografen oder des Models, um plötzlich nur noch die Nase oder das Ohr statt der Augen scharf abzubilden.

Kontrollieren Sie die Schärfe nochmals kurz vor dem Auslösen. Manche Systemkameras mit Digitalsucher erlauben mit der Fokus-Peeking Funktion eine elektronische Kontrolle der Schärfe, was für eine präzise Fokussierung hilfreich sein kann.

Bei Verwendung des Autofokus-Systemes sollten Sie auf die automatische Wahl des Messfeldes verzichten und das AF-Messfeld selber bestimmen. Die meisten Autofokusmodule steuern die Entfernungsmessung, indem Sie auf das vorderste Objekt im Bild scharfstellen. Da dies üblicherweise die Nase ist, passiert es nicht selten, dass statt der Augen die Nasenspitze scharf abgebildet wird.

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Moderne Kamera habe dutzende bis hunderte einzelner Messfelder, die für die Entfernungsmessung herangezogen werden. Bei geringer Schärfentiefe, wie wir sie in der Portraitfotografie wünschen, kann es schnell passieren, dass statt der für uns wichtigen Augen, auf die Nase oder ein Ohr fokussiert wird.

Wählen Sie deshalb am besten ein einzelnes Messfeld und zielen Sie damit auf die Augen oder das näherliegende, wenn das Gesicht nicht ganz frontal ist.

Facedetection für schnelles Scharfstellen von Personen
Durch ausgereifte Sensoren und Prozessoren erkennen viele Digitalkameras Gesichter und stellen darauf scharf. Bei engen Bildausschnitten und weit geöffneter Blende, ist die Schärfezone aber nur sehr gering.

Noch weiter entwickelt ist nun die neueste Kamerageneration wie die Sony Alpha 6300/6500 mit EYE-Focus, die dank rund 400 Messfeldern die Augen identifiziert und auch dort den Schärfepunkt setzt.

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Lange Wartezeiten vermeiden
Wichtig ist allerdings, dass nach dem Scharfstellen mit halb gedrücktem Auslöser (Druckpunkt) nicht mehr lange mit der Aufnahme gewartet werden sollte oder bei einer Pause nochmals neu gemessen werden muss. Kleine Bewegungen der Kamera oder des Portraitgesichtes reichen aus, um eine Unschärfe zu erhalten.

Selbstverständlich kann die Entfernung auch vollkommen manuell eingestellt werden.

Licht - das A&O der Fotografie

Für Fotografierende gibt es nichts wichtigeres als das Licht. Ohne Licht gibt's kein Bild und die perfekte Beleuchtung ist so individuell wie die Phantasie jedes Portraitkünstlers.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen natürlichem und künstlichem Licht.

Wie Sie sich vorstellen können, gibt es weder genormten Tageslicht, noch ein Standard-Kunstlicht. Jede Lichtquelle hat Ihre individuelle Eigenschaften, die es in der Fotografie eingesetzt werden kann.

Morgen- oder Abendlicht sind stimmungsvoller als bei hochstehender Sonne über Mittag.

Ein bewölkter Himmel ist eine riesige Lichtquelle und ergibt ziemlich gleichmässiges, weiches Licht. Die strahlende Mittagssonne ist vergleichsweise winzig und ergibt bei direkter Beleuchtung härtere Geschichtszüge oder Schlagschatten.

Zwischen elf und drei hat der Fotograf frei...
Eine alte Faustregel ist nicht immer umzusetzen, hat aber schon eine grosse Portion Wahrheit. In der Mittagszeit ist das hochstehende Sonnenlicht nicht sehr schmeichelhaft und viele Fotografen lassen die Kamera gleich in der Tasche. Starke Schatten, können aber auch genauso als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Aufnahmen im Schatten ohne direkte Sonne oder Gegenlichtaufnahmen haben aber dennoch Ihren Reiz.

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Im direkten Sonnenlicht stören oft harte Schatten im Gesicht.
Die einfachste Lösung dagegen ist, die Person im Schatten oder Halbstatten zu positionieren oder die Aufnahme mit der Sonne im Rücken des Modells zu machen.

Die Belichtungsmessung sollte dabei auf das Gesicht konzentriert werden, um eine Unterbelichtung zu vermeiden. Je nach Umgebung erscheint der Hintergrund jedoch sehr hell.

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Der frühe Vogel fängt das Licht
Experimentieren Sie mit verschiedenen Lichtsituationen und stehen Sie im Urlaub mal nicht erst zum Frühstück sondern ein paar Stunden vorher auf, um die fabelhafte Morgensonne oder Stimmung in der Dämmerung zu erleben und festzuhalten.

Auch die letzten Sonnenstrahlen am Abend oder kurz nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und den Himmel in ein warme Licht taucht, eignen sich als stimmungsvolles Portraitlicht.

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Lichtrichtung - Gegenlicht oder Auflicht

Der Sonnenstand beeinflusst die Bildwirkung sehr stark. Je nach Tageszeit und gewünschten Hintergrund ist die Sonneneinstrahlung nicht zu ändern. Suchen Sie Ihren Standort deshalb bewusst aus.
Wählen Sie auch die Tageszeit geschickt und besuchen Sie einen Standort zu unterschiedlichen Zeiten.

Sowohl Gegenlichtaufnahmen als auch eine direkte Beleuchtung haben Ihren individuellen Charakter.

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Rechteck ist nicht Pflicht - Experimentieren Sie mit Bildformaten
Wenn Sie später am PC den Bildausschnitt noch verändern wollen, sollten Sie dies bereits bei der Aufnahme berücksichtigen.

Hoch- und Querformat, quadratisch oder mit etwas mehr Freiraum für ein Panoramaformat - lassen Sie Ihrer Kreativität freien Raum. Als Doppelseite im Fotobuch oder Postervergrösserung an der Wohnzimmerwand, bringen spezielle Bildformate eine schöne Abwechslung zu klassischen Bildern.


Belichtungsmessung
Achten Sie bei Gegenlichtbildern darauf, die Belichtungsmessung auf das Gesicht zu konzentrieren. Da die Kamera nur messen kann und nicht weiss, welcher Bildbereich für Sie entscheidend ist, sollten Sie vorab mit einer Kontrollaufnahme starten. Der helle Hintergrund kann die Kamera irritieren. Mittenbetonte Messung ist am idealsten. Der Einsatz der Spotmessung braucht etwas mehr Übung.

Die Symbole der Messmethode sind bei den verschiedenen Herstellern ähnlich.
Alternativ können Sie natürlich die Belichtung auch ganz von Hand einstellen und auf Automatiken verzichten oder eine Belichtungskorrektur vornehmen.


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Gegenlichtaufnahme: Links mit Mehrfeldmessung, rechts mit Spotmessung oder Belichtungskorrektur.


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Silouette als Gestaltungsmittel
Bei starkem Gegenlicht können Sie natürlich auch bewusst auf den Hintergrund belichten und die Person als Silouette abbilden. Wer kreativ sein möchte, kann auch Varianten mit (starkem) Aufhellblitz ausprobieren.

Aufheller von Hand oder per Blitzlicht

Lichtkontraste können zum einen als Gestaltungsmittel eingesetzt werden, können aber auch stören. Wer lieber eine gleichmässigere Ausleuchtung sucht, wechselt am einfachsten den Standort oder hellt die Schattenpartien auf.

Der einfachste Weg ist ein Aufhellblitz. Blitzlicht hat den Vorteil, dass es zwar eine künstliche Lichtquelle ist, aber farblich auf Tageslist abgestimmt ist. Somit lässt sich bei Aussenaufnahmen am Tag einfach ein Blitz zünden, um Gesichter gleichmässiger auszuleuchten. Natürlich ist es absolute Geschmacksache, welche der beiden Aufnahmen natürlicher wirkt.
Das Blitzlicht lässt sich bei vielen Kameras durch Verwendung einer Blitzlichtkorrektur etwas dosieren und somit das Verhältnis von Dauer- und Blitzlicht abstimmen.

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Ein Aufhellblitz hilft auch Schatten in den Augenhöhlen zu reduzieren und ergibt ein Glanzlicht in den Augen, die dem Portrait mehr Leben einhauchen.
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Zum Aufhellen kann das vorhandene Licht indirekt eingesetzt werden. Sie brauchen eine reflektierende Fläche auf der Schattenseite und können damit den Kontrast reduzieren. Als Reflektor kann eine einfache Styroporplatte verwendet werden oder ein praktischer, faltbarer Stoff, der auf einen Rahmen aufgezogen und mit einem Handgriff aufgeklappt werden kann.
Er kann metallisch beschichtet sein, einfach weiss und ist in vielen Kombinationen erhältlich.

Im professionellen Alltag hilft dabei oft ein Assistent, der sich um den Reflektor. Zu zweit kann auch das Modell den Reflektor halten.

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