FOTOTIPP: Bildrauschen reduzieren

Eine korrekte belichtete Aufnahme entsteht je nach vorhandenen Lichtverhältnissen mittels Anpassung von Belichtungszeit und der Blendenöffnung bei einer vorgegebenen Empfindlichkeit des fotografischen Bildsensors. Dies gilt für analoge und digitale Kameras.
Digitalkameras bieten aber im Gegensatz zu den meisten analogen Filmen eine variable ISO Empfindlichkeit, welche von Bild zu Bild angepasst werden kann.
Nimmt das vorhandene Licht beispielsweise gegen Abend ab, kann dies mit der Empfindlichkeit ausgeglichen werden.

Etwas Grundwissen, einfach erklärt
Die Sensoren verfügen über eine Grundempfindlichkeit, die elektronisch gesteigert wird. Vereinfacht erklärt, nimmt Kamerasensor dabei die Lichtintensität auf, die durch das Objektiv eintritt und leitet diese Informationen als elektrische Spannung an die Elektronik weiter. Bei gesteigerter Empfindlichkeit wird das eingehende Signal angehend verstärkt und das Bild kann aufgehellt werden. Bei der Signalverstärkung können aber ungewollte Elektronen sichtbar werden, die nicht von der eigentlichen Aufnahme, sondern von der Kameraelektronik herkommen und sich im fertigen Bild als fehlerhafte Pixel zeigen. Man nennt dies Bildrauschen.
Stellen Sie sich ein Radio vor, bei dem Sie einen Sender nicht klar empfangen und die Musik nur leise zu hören ist. Sie können nun die Lautstärke am Radio erhöhen, erhalten dann aber auch ein hörbares Rauschen, welches das eigentliche Signal, den gewünschten Sender, beeinträchtigt. Ähnlich funktioniert dies auch bei Bildrauschen einer Kamera, nur sind die "Störgeräusche" sichtbar.

Bildrauschen in Farbe und Helligkeit

Das Bildrauschen kann unterschiedliche sichtbar werden. Man unterscheiden zwischen Helligkeits-Rauschen (Luminanz) und Farb-Rauschen.
Bildrauschen erkennen Sie üblicherweise in dunklen, einfarbigen Bildpartien. Während Luminanz-Rauschen eine ungleichmässige Struktur erzeugt, sind beim Farbrauschen falschfarbige Pixel zu erkennen.

Diese können in der Nachbearbeitung getrennt voneinander korrigiert werden.

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Empfindlichkeit steigern. Versuchen Sie es doch einmal!

Die beste Bildqualität erhalten Sie üblicherweise bei der tiefsten ISO-Empfindlichkeit, die Ihre Kamera bietet. Bei den meisten liegt diese bei ISO 100 oder 200.
Sind die Lichtverhältnisse nicht optimal, muss aber deutlich länger belichtet werden. Falls sich Ihr Motiv bewegt oder Sie kein Stativ verwenden entsteht eine Bewegungs- oder Verwacklungsunschärfe. Um kürzere Belichtungszeiten zu erreichen, kann aber die Empfindlichkeit gesteigert werden.

Bild links 1/8s F/2.8 bei ISO 800 = verwackelt
Bild rechts 1/40s F/2.8 bei ISO 3200 = scharf

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Moderne Systemkameras bieten einen riesigen Empfindlichkeitsbereich von bis zu ISO 12'800, manche sogar 51'200 und mehr. In der höchsten Einstellung leidet die Bildqualität meist deutlich. Wird nur wenig gesteigert, erreichen viele Kameras aber erstaunliche Ergebnisse.
Bietet Ihre Kamera ISO 100 - 25'600, trauen Sie sich ruhig einmal ISO 1600 oder 3200 auszuprobieren.

Sollte Sie störendes Bildrauschen auf den Aufnahmen erkennen, lässt sich dies mit folgenden Tipps mindern.

GEWUSST?
Bei Aufnahmen in JPEG Format reduziert die Kameraelektronik bereits einiges an Bildrauschen. Bei Aufnahmen im unbearbeiteten RAW Format (NEF, CR2, ARW, ORF DNG), kann manuell noch viel verbessert werden.

Vor allem bei starker Ausschnittsvergrösserung kann das Bildrauschen sichtbar werden. Einfarbige Flächen erhalten plötzlich eine Struktur und dunkle Bildpartien können fehlerhafte farbige Pixel zeigen.
Auf normalen Papierbildern in Postkartengrösse werden sie meist nichts erkennen können.

Die meisten Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen nun, das Bildrauschen zu reduzieren. Dabei arbeiten nicht alle gleicht und die Ergebnisse unterscheiden sich manchmal wesentlich.

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Lightroom-Einstellungen

Wer mit Adobe Photoshop Lightroom arbeitet findet im Bearbeitungsmodus auf der rechten Seite unter DETAILS dir Regler für die Rauschreduktion. Dabei unterscheidet Lightroom zwischen Helligkeitsrauschen LUMINANZ und Farb-Rauschen.
Meist ist beim Farbrauschen bereist ein Wert von 25 voreingestellt. Damit erkennen Sie schon ohne einen Regler anzufassen bereits kein Farbrauschen mehr, sondern nur noch Luminanz-Rauschen.

Da bei der Rauschreduzierung eine Art Weichzeichner über ihr Bild gelegt wird, gehen oft feine Details verloren und das Bild wirkt weniger scharf.
Aus diesem Grund finden Sie neben zusätzlich Regler für die Erhaltung von feinen Details und Steigerung des Kontrastes.
Durch die verlustfreie Bearbeitung in Lightroom können Sie alle Regler beliebig ausprobieren, ohne Ihr Bild zu beeinträchtigen, da alle Einstellungen gespeichert oder auch später wieder zurückgesetzt werden können.

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Nur mit dem Regler Farbe auf den Wert 25 ist nur noch Helligkeitsrauschen (Luminanz) zu erkennen und die farbigen Pixel sind verschwunden. Der Effekt erinnert nun an den Korn-Effekt analoger Filme und ist weit weniger störend. Es ist dabei kaum Schärfe verloren gegangen.
Wer nun noch Das Helligkeitsrauschen reduzieren möchte, wagst sich an den Regler Luminanz.

farbrauschen_wegB.jpg

LUMINANZ Regler

Mit dem Luminanz-Regler kann das Helligkeitsrauschen praktisch komplett entfernt werden und das Bild geglättet werden. Wählen Sie die Werte aber lieber etwas vorsichtig und kontrollieren Sie das ganze Bild, um nicht wichtige Details zu verlieren.
Mit dem Regler Details kann das Ergebnis noch verbessert werden. Bei zu hohen Werten entstehen aber unschöne Bildfehler, die Sie vermeiden sollten. Manchmal ist weniger doch mehr. 

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Nicht übertreiben!

Die notwendigen Einstellungen variieren je nach Kameramodell und ISO-Einstellung, aber auch abhängig vom Motiv. Bilder mit vielen kleinen Details können auf den ersten Blick praktisch rauschfrei bearbeitet werden. Bei feinen Strukturen kann es aber zu deutlichem Detailverlust kommen, wenn Sie allzu sehr an den Reglern schieben.

Versuchen Sie also einen guten Mittelwert zu bekommen. Auch ein leichtes Bildrauschen muss nicht zwingend immer nachbearbeitet werden.

DSC01324-Bearbeitet-1200.jpg
Hier zwei Ausschnitte aus dem selben Bild mit identischen Einstellungen.
toomuch.jpg

Gewusst?
Mit dem KORREKTURPINSEL in Lightroom lässt sich Bildrauschen und partiell reduzieren und so bleiben rauscharme, scharfe Bildbereiche unberührt. Die Einstellungen für dieses Pinselwerkzeug sind aber deutlich geringer.

NIK Collection für Feineinstellung

Wer mehr als nur die Standard-Einstellungen von Lightroom nutzen möchte, sollte sich die NIK Filter Collection von DXO ansehen. Die Sammlung von Nachbearbeitungs-Tools für Lightroom und Photoshop wurde komplett überarbeitet und steht als Kaufversion auf der Hersteller-Website zum Download.
Eine 30-Tage Testversion lohnt sich auf jeden Fall einmal auszuprobieren.

Für Rauschminderung gibt es das Programm DFINE 2, das die Bearbeitung nicht nur auf das komplette Bild, sondern dank U-Point Technologie auch auf beliebige Bildbereiche ermöglicht.

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DFINE 2 aus der NIK Collection erlaubt eine Bildanalyse und automatische Korrektur von Farbrauschen. Dabei lässt sich in der Automatik das ganze Bild oder manuell ein Teilbereich messen, der für die Rauschreduzierung geprüft wird.

Im Programm kann anschliessend ein Profil gespeichert werden, das die Voreinstellungen übernimmt und Ihnen künftiges bearbeiten vereinfacht.

dfine_messen.jpg

U-Point Technologie für partielle Bearbeitung

Wie bei den meisten Programmen aus der NIK Collection kann auch bei DFINE 2 eine Bearbeitung von Bildbereiches vorgenommen werden.
Setzen Sie dazu einen Kontrollpunkt auf einen bildwichtige Stelle. Mit dem obersten Regler lässt sich die Grösse der Zone bestimmten, die bearbeitete wird. Mit dem zweiten Helligkeitsrauschen und mit dem dritten Farbrauschen.

Damit lassen sich noch feinere Bearbeitungen erzeugen und den Optimierungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.

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Die NIK Collection 2018 ist als 30 Tage Testversion erhältlich oder kann für einmalig € 69.- auf der Hersteller-Website gekauft werden.

NIK Collection von DXO
Wichtig! Falls Sie die frühere NIK Collection von Google schon kennen uns installiert haben, sollten Sie wissen, dass die Version 2018 von DXO nicht kompatibel ist und die alte Version nach Ablauf des Testzeit womöglich nicht mehr funktioniert. Die frühere Version müsste neu installiert werden, benötigt aber die entsprechende Installationsdateien, die Google nicht mehr zu Verfügung stellt.

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