FOTOTIPP: Schärfere Stativaufnahmen

Mehr Schärfe bei Stativaufnahmen

Stative sorgen für wackelfreie, scharfe Aufnahmen. So ist zumindest die allgemeine Meinung. Dass es nicht immer so ist und wie Sie die maximale Schärfe erreichen, erfahren Sie in unseren Tipps.

Vor allem bei Langzeitaufnahmen ist die Ausrüstung sehr anfällig auf Erschütterungen. Mit unseren Tipps wollen wir das Maximum an Schärfeleistung herausholen.

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Stabiles Stativ und passender Untergrund

Grundvoraussetzung ist ein robustes Stativ, das für das Gewicht der Kameraausrüstung ausgelegt ist. Ein leichtest Tischstativ wird Mühe haben, das Gewicht einer Spiegelreflexkameras zu halten.

Ein Stativ sollte zu Ihrer Ausrüstung passen. Wählen Sie aus Gewichtsgründen ein zu kleines oder leichtes, kann die Bildqualität leiden, da das Gewicht der Kamera in jeder Lage problemlos gestützt werden muss, um scharfe Bilder zu bekommen. Achten Sie beim Kauf deshalb auf die Tragkraft von Stativ und Stativkopf.

Bei Stativaufnahmen ist ein guter Standort nicht nur für die Bildgestaltung entscheidend. Ein stabiler Untergrund kann wesentlich dazu beitragen, ob ein Bild scharf wird oder nicht.

Die häufigsten Standortfehler:

  • Befahrene Brücken oder schwimmende Schiffstege schwanken fast immer. Langzeitaufnahmen sind praktisch nicht möglich. Wählen Sie einen anderen Standort oder eine kurze Belichtungszeit.
  • Bei weichem oder sumpfigem Untergrund kann das Stativ einsinken
  • Rutschige Steine an Gewässern oder bei Regen sind kein idealer Untergrund. Stative mit ausfahrbaren Metall-Spikes bieten dazu mehr Sicherheit, da das Stativ sonst abrutschen oder stürzen kann.
    Auf Parkettboden oder Hochglanzböden bei Innenarchitektur sind Metallspikes aber Tabu.
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Mittelsäule erst zum Schluss

Um die optimale Kameraposition und Arbeitshöhe zu erreichen, lassen sich die (drei) Teleskopbeine und die Mittelsäule der meisten Stative ausziehen. Die Beine bestehen aus ineinandergeschobenen Rohrsegmenten, die konstruktionsbedingt nach unten immer dünner werden.
Die oberen Beinsegmente mit dickerem Profil dämpfen Erschütterungen deutlich besser. Öffnen Sie deshalb die Verschlüsse von oben und ziehen Sie die untersten Segmente als letzte und nur bei Bedarf aus.

Die maximale Stabilität erreichen Sie, wenn das Stativ nur auf drei Beinen steht. Wird die Mittelsäule ausgefahren, reduziert sich die Stützkraft vor allem bei sehr leichten Stativen und schon eine geringe Kameraerschütterung oder ein Windstoss kann zu Verwacklung führen. Wenn die Kamera höher liegen soll, ziehen Sie zuerst alle Beine bis zum Maximum aus, bevor Sie die Mittelsäule nutzen.
Wenn Sie die gewünschte Arbeitshöhe immer nur mit ausgezogener Mittelsäule erreichen, sollten Sie für eine maximale Erschütterungsprävention und Schärfeleistung vielleicht über ein grösseres Stativ als Ersatz oder Ergänzung Ihrer Ausrüstung nachdenken.

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Fernauslöser

Beim Druck auf den Auslöseknopf wird die Kamera minimal bewegt. Da die meisten Kamerabesitzer das Stativ erst aufstellen, wenn die Verschlusszeit aus freier Hand nicht mehr wackelfrei zu halten ist, sind Langzeitbelichtungen der Haupteinsatz bei Stativaufnahmen. Ein kleiner Ruckler beim Auslösen kann da schon negative Auswirkungen auf die Schärfe des Bildes haben.

Bei Stativaufnahmen sollte die Kamera nie direkt am Gehäuse, sondern per Fernauslösung ausgelöst werden. Fernauslöser gibt es in ganz unterschiedlicher Ausführung und je nach Kamerasystem und Motiv eignen sich unterschiedliche.
Als beliebtestes Zubehör gelten: Kabelfernauslöser oder drahtlose Varianten mit Infrarot- oder Funkübertragung.

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Infrarotauslöser
Hat Ihre Kamera einen Infrarot-Empfänger, ist ein kleiner Handauslöser schon ausreichend. Allerdings ist der Empfänger üblicherweise vorne am Gehäuse, um z.B. Selbstportraits machen zu können, und braucht Sichtkontakt. Stehen Sie hinter der Kamera, kommt das Signal nicht an.

Kabelauslöser
Der Kabelauslöser ist die sicherste Verbindung und Modelle ohne Timerfunktion benötigen auch keine Batterie. Die meisten kabelgebundenen Modelle haben eine Länge von 50-80cm, womit man örtlich gebunden ist. Je nach Hersteller sind aber bis 5m-Kabel erhältlich. Modelle mit Timerfunktion können für Intervallaufnahmen (Timelapse/Zeitraffer) oder Langzeitaufnahmen mit mehr als 30s programmiert werden.

Funkauslöser
Wer unbemerkt aus grosser Entfernung auslösen möchte, sollte sich einen Funkauslöser anschaffen. Damit kann auf 30-100m Distanz und ohne Sichtkontakt fotografiert werden. Sender und Empfänger benötigen aber eine Batterie und entsprechender Ersatz für den Notfall sollte in der Fototasche nicht fehlen.

WiFi Auslösung per Smartphone
Kameras mit WiFi-Funktion lassen sich vom Smartphone oder Tablet auch drahtlos auslösen. Je nach App ist auch ein Livebild auf dem Display zu sehen, was bei der Bildgestaltung oder für Selbstportraits ideal ist.

Fernauslöser

Bildstabilisator ausschalten

Viele Kameras oder Objektive besitzen einen integrierten Bildstabilisator aus beweglichen Linsen oder Sensoren.

Ist die Kamera fest auf dem Stativ montiert und der Stabilisator arbeitet dennoch, können Aufnahmen, so seltsam das klingen mag, verwackelt und unscharf werden.
Schalten Sie die Bildstabilisator-Funktion deshalb bei Stativaufnahmen am besten immer ab.

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Manuell scharfstellen und kontrollieren

Die meisten Kameras besitzen ein Autofokus-System und stellen selber scharf. Dafür verfügen sie über eine Vielzahl von Messfeldern. Wählen Sie am besten nur ein einzelnes Feld, um selber festzulegen, wo die Kamera genau misst.

Für maximale Kontrolle empfiehlt es sich, von Hand scharfzustellen und den Schärfepunkt damit exakt zu bestimmen.

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Fokuslupe

Bein manueller Scharfstellung ist es nicht immer einfach, exakt zu fokussieren. Für Spiegelreflexkameras gibt es Sucherlupen oder Winkelsucher mit Vergrösserung.
Noch einfacher geht es im Live-View-Modus. Dabei wird das Vorschaubild auf dem Display direkt auf der Sensorebene abgetastet und kann elektronisch vergrössert werden.

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Fokus Peaking

Neben der visuellen Kontrolle gibt es auch elektronische Hilfen, bei denen die Kamera die Schärfewiedergabe analysiert.

Moderne Kameras (vorwiegend Systemkameras) bieten Fokus Peaking, auch Kantenanhebung genannt. Über das Kameramenü kann die Funktion aktiviert werden.
Die Kantenanhebung markiert Objekte, die scharf abgebildet werden, mit einer farblich abgesetzten Kontur. 

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Spiegelvorauslösung

Spiegelreflexkameras besitzen einen Schwingspiegel, der das Bild auf die Mattscheibe im Sucher projiziert. Für die Aufnahme muss der Spiegel aber hochgeklappt werden, damit der Sensor belichtet werden kann.

Die mechanische Bewegung ergibt minimale Erschütterungen, die vor allem bei Langzeitaufnahmen oder starken Vergrösseruneg mit Tele- oder Makroobjektiven zu Verwacklung führen kann. Um diese zu vermeiden, sollte der Spiegelmechanismus einen Moment ausschwingen, bevor der Verschluss geöffnet wird.

Bei der Wahl der Spiegelvorauslösung wird beim Druck auf den Fernauslöser erst nur der Spiegel hochgeklappt und erst bei der zweiten Betätigung das Bild belichtet.

Gewusst? Spiegellose Systemkameras haben diese Funktion natürlich nicht, dafür oft einen elektronischen Verschluss, der selbst den mechanischen Verschluss deaktiviert und so noch sanfter auslöst.

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Vergleich einer Detailaufnahme mit normaler Auslösung und mit vorher hochgeklapptem Spiegel.

Abblenden, nur so weit wie nötig

Die Wahl der richtigen Blendenöffnung ist für die Schärfe im Bild ebenfalls sehr entscheidend. Objektive liefern je nach gewählter Blende eine unterschiedliche Abbildungsleistung. Bei voll geöffneter Blende (kleinste Blendenzahl) ist die Schärfentiefe nur sehr gering und die Kontrastleistung selten auf dem Maximum.
Durch Schliessen der Blende wird die Schärfe und die Schärfentiefe verändert. Während die Schärfentiefe stetig zunimmt, ist die Schärfe im mittleren Blendenbereich am grössten und nimmt bei starkem Abblenden wieder ab.

Beugungsunschärfe
Alle Lichtstrahlen, die durch das Objektiv fallen, passieren vor dem Auftreffen auf dem Sensor die mechanische Blende. Bei starkem Abblenden wird ein Teil des Lichtes an den Kanten der Blendenlamellen abgelenkt. Man spricht dabei von Beugung. Die abgelenkten Lichtstrahlen treffen dadurch leicht versetzt auf dem Sensor auf und führen zu einer geringen Unschärfe.
Die Blendenstufe, ab der die Beugung stattfindet, ist je nach Objektiv und Sensorgrösse unterschiedlich. Kleine Sensoren sind empfindlicher auf Beugungsunschärfe. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb bei Kompaktkameras meist nicht weiter als Blende f/8 oder f/11 geschlossen werden kann.

Optimale Blende
Für die maximale Detailauflösung wird empfohlen, die Blende nur um 2-4 Stufen zu schliessen. Dabei werden Randstrahlen gesperrt und die Beugungsunschärfe tritt noch nicht ein. Die optimale Blende wird auch förderliche Blende genannt und ist je nach Objektiv und Sensorgrösse abhängig.

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Detailvergrösserung 100%. Durch Abblenden steigt die Schärfentiefe und der Hintergrund wird scharf. Feine Details gehen bei geschlossener Blende f/22 aber verloren und die allgemeine Schärfe nimmt ab.

Bei mittlerer Blende f/8 ist die maximale Schärfeleistung sichtbar grösser.


Gewusst? Bei Landschaftsaufnahmen wird oft stärker abgeblendet, um Vordergrund und Hintergrund scharf abzubilden. Für eine maximale Schärfe wäre die förderliche Blende ideal. Landschaftsspezialisten setzen dabei auf Techniken wie >>Fokus Stacking oder die hyperfokale Distanz. Ein Fototipp dazu ist in Vorbereitung.
Für die sternförmige Abbildung von Lichtquellen wie der Sonne muss aber stark abgeblendet werden und etwas Schärfeverlust in Kauf genommen werden.

Gewicht an Mittelsäule

Viele Stative haben an der Mittelsäule einen Haken. Dieser kann zur Stabilisierung des aufgestellten Statives verwendet werden, indem ein Gewicht angehängt wird.

Hängen Sie beispielsweise den Fotorucksack - evtl. mit grossen Steinen beschwert - an den Haken.

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Trageriemen bei Wind fixieren oder abnehmen

Bei starkem Wind flattert der Trageriemen oft unkontrolliert herum. Schlägt er an das Stativ, kann dies schon zu unerwünschten Vibrationen führen.

Riemen mit Schnellverschlüssen, erlauben den breiten Riemen bei Stativeinsatz mit wenig Aufwand zu entfernen.
Mit einem Gummiband lässt sich der Riemen auch an einem Stativband fixieren.

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